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Ausblick

Der Wandel in der Zusammensetzung der Artenvielfalt Baden-Württembergs wird sich auch in Zukunft fortsetzen. Die Globalisierung wird wahrscheinlich zu einer noch engeren Vernetzung zwischen den Kontinenten führen und viele Arten um die Welt reisen lassen. Manche Organismen werden im Zuge des Klimawandels ihr Verbreitungsgebiet selbständig ausweiten und zu uns kommen, darunter auch solche, die wir eher als Bereicherung denn als Bedrohung unserer Artenvielfalt sehen werden. Der menschengemachte Klimawandel wird in den nächsten 100 Jahren die bedeutendste Rolle für den Wandel in der Natur spielen.

Der menschengemachte Klimawandel hat auch Einfluss auf die zukünftige Verbreitung aller Lebewesen. Berechnungen gehen bis zum Jahre 2100 von einem mittleren Temperaturanstieg zwischen 1,6 und 4,7 °C weltweit aus. Je nachdem, wie hoch der Temperaturanstieg sein wird, werden sich alle Ökosysteme stark verändern und zum Teil in der jetzigen Ausprägung ganz verschwinden. Viele indigene Arten, die an gemäßigte bis kalte Klimabedingungen angepasst sind, werden verdrängt oder ster­ben aus. Dafür erwarten wir eine größere Anzahl Neobiota aus tropischen und subtropischen Gebieten, die sich derzeit noch nicht bei uns etablieren können.

Schon heute breiten sich mediterrane Arten bei uns aus. Palmen und Papageien sind inzwischen ganzjährig in Gärten und Parks in den etwas wärmeren Städten anzutreffen.

Chinesische Hanfpalme
Trachycarpus fortunei

In Zukunft werden sicher weitere neue Arten zu uns kommen. Einige stehen sozusagen noch vor der Tür wie der Amerikanische Nerz in Bayern, andere sind schon in Baden-Württemberg angekommen – so der aus Südosteuropa einwandernde Goldschakal. Auch die dauerhafte Ansiedlung neuer Vogel­arten ist zu erwarten. Der Silberreiher war früher nur ein Wintergast in den Rheinauen; bald könnte er hier brüten. Neben Wirbeltieren werden auch viele neue Insektenarten zu uns gelangen, darunter vielleicht Ernteschädlinge wie der Japankäfer, Bienenschädlinge wie der Kleine Beutenkäfer oder Baum­schädlinge wie der Eschenprachtkäfer.

Außerdem könnten weitere einst ausgerottete heimische Tiere zurückkeh­ren, wenn wir sie ließen. So wie Braunbär „Bruno“, der im Jahr 2006 den Weg aus dem Alpenraum nach Deutschland fand.

Goldschakal
Canis aureus
Japankäfer
Popillia japonica
Asiatischer Eschenprachtkäfer
Agrilus planipennis